Wortschatz ist nicht gleich Wortschatz

Grundsätzlich unterscheidet man den Wortschatz einer Sprache vom Wortschatz eines Einzelnen. Der Wortschatz der Sprache enthält alle Wörter dieser Sprache, der Wortschatz eines Menschen lässt sich wieder in den passiven und den aktiven Wortschatz unterscheiden. Der aktive Wortschatz beinhaltet alle Wörter, die dieser Mensch tatsächlich beim Sprechen oder beim Schreiben benutzt, um damit sinnvolle Sätze zu bilden. Der passive Wortschatz ist deutlich größer und umfasst alle Wörter, die dieser Mensch versteht. Das können bekannte Wörter sein, aber auch unbekannte, deren Bedeutung hergeleitet werden kann. Wer das Wort Fensterputzer nie gehört hat, wird es nicht verwenden, es ist also nicht im aktiven Wortschatz. Wenn aber die Wörter Fenster und putzen in ihrer Bedeutung bekannt sind, kann auch die Bedeutung des Wortes Fensterputzer hergeleitet werden.

Wie groß ist ein Wortschatz?

Alle Angaben zur Größe eines Wortschatzes sind grundsätzlich Schätzwerte und die Angabe von der verwendeten Zählweise abhängig. So können sowohl Wortteile (wie die Vorsilbe un-) als sogenannte Lexeme gezählt werden, als auch ganze Wortgruppen mit fester Bedeutung (z.B. in Gang setzen) oder gar Phrasen (auf dem absteigenden Ast sein). Durch Änderungen des Wortes durch Flexion, also zum Beispiel durch Deklination und Konjugation, können weitere, verständliche Worte entstehen, die aber nicht als Lexeme gezählt werden. Der deutsche Wortschatz umfasst in der Standardsprache etwa 75.000 Wörter, insgesamt etwa eine halbe Million. Fachwörter noch dazu gerechnet, steigt diese Zahl auf viele Millionen. Wie groß der Wortschatz eines Menschen ist, hängt von seinem Alter, seiner Bildung, seinen Kommunikationsgewohnheiten und seinen Interessen ab. Oft wird geschätzt, dass zum vollständigen Verständnis einer durchschnittlichen Tageszeitung ein Wortschatz von etwa 5000 Wörtern ausreichend ist. Ein 15-jähriger verfügt bereits über einen doppelt so großen Wortschatz. Deutlich geringer ist der Grundwortschatz. Um 80 Prozent eines deutschen Textes zu verstehen, sollen 1000 Wörter ausreichend sein, 2000 reichen für etwa 90 Prozent.

Wortschatzerwerb und -verlust beim Menschen

Die ersten Worte der Muttersprache lernen die Menschen durch Imitation. Doch diese Gewohnheit bleibt auch Erwachsenen erhalten. Je nachdem, wie die Umgebung spricht, verändert sich die eigene Sprache. Das merkt man zum Beispiel, wenn Zugezogene langsam den Dialekt ihrer neuen Heimat samt den Dialektworten annehmen. Umgekehrt können auch Wörter und sogar ein Großteil der Muttersprache aus dem Wortschatz verschwinden, wenn sie nicht benutzt werden.

Wortschatzerweiterung und -verlust in der Sprache

Eine Sprache verändert ständig ihren Wortschatz, neue Wörter kommen hinzu, alte verschwinden. So wird ein Siebzigjähriger zurecht sagen können, dass Wörter heute von der Jugend nicht mehr benutzt (Dame, Elektronengehirn) oder sogar noch nicht einmal verstanden werden. Auf der anderen Seite wird er vielleicht noch etwas mit „guttenbergen“ anfangen können, eventuell auch etwas mit dem „Niveaulimbo“ des Wortschatzes, aber sicherlich nichts mit der Aussage, das der Körperklaus es nicht einmal geschafft hat, den Zwergenadapter in den Hausfrauenpanzer zu bekommen.